Parforcehorn-Gruppe

Es war an einem sonnigen Septembernachmittag mitten im Burgwald am Wasserberg. Wir hatten das letzte Übungsschießen am dortigen Schießstand für die Saison 1967 beendet und saßen in gemütlicher Runde bei einer Flasche Bier. Plötzlich machte einer den Vorschlag, während des Winterhalbjahres doch mal zu versuchen, das Jagdhorn zu blasen. Warum eigentlich nicht, war die Meinung. Wir trafen uns zur ersten Übungsstunde in der Gastwirtschaft Rohleder in Frankenberg. Der junge Förster Fritz Mewes blies uns einige Töne vor, und wir versuchten, diese nachzublasen. Am dritten Abend übernahm das Vorblasen der ebenfalls junge Förster Sigmar Salzmann.

So verlegten wir unsere Ubungsstunden nach Rosenthal. Einige neue Blaswillige kamen hinzu und wollten auch mitmachen, manche blieben, andere gingen wieder, und so bildete sich langsam ein sogenannter „harter Kern”. Wir fuhren im Winter bei Schnee- und Eisglätte nach Rosen­thal und übten das Jagdhornblasen. Aber auch dort hatten wir keine bleibende Stätte. Unser neues Übungslokal war dann eine Sägewerkshalle in Röddenau, kalt und dunkel, aber dort störten wir wenigstens niemanden.

 

 

Das Frühjahr kam, es wurde wärmer und unser Blasen besser. Nun durften wir schon zu einem Geburtstag blasen und bald darauf auch zu einem Begräbnis. Ach, was haben wir die paar Signale geübt, um uns nicht zu blamieren. Im kommenden Winter bei einer Jagd – die Sauen waren raus – und ich sollte die Jagd abblasen. Das war'n Ding, wie geht das denn nun so plötzlich? Ja, ich habe die Jagd abgeblasen und alle hatten es verstanden, nur was ich da geblasen hatte, war etwas ähnliches, wie „Sau tot”. Aus solchen und ähnlichen Situationen hatten wir gelernt – man darf nicht zu feige sein, auch mal falsch zu blasen – auch wenn es weh tut.

 

29.3.1968: von links: K.-H. Heinrichs, J. Redecker, F. Mittler, S. Salzmann

 

So begann´s
Das soll nicht heißen, daß das Blasen dadurch besser wurde. Was da zu hören war, war dem Jagdhornblasen” sehr entfernt. Wir merkten sehr bald, daß unser „Tuten” doch als sehr störend empfunden wurde.

 

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1968: von links:

F. Mittler, K.-H. Heinrichs, F. Heinrichs, J. Redecker, L. Kahler

Wir übten und bliesen und übten immer wieder, denn der Schließmuskel um den Mund mußte ja trainiert werden. Ein Vergleichsblasen nordhessischer Bläsergruppen war angesagt. Um daran teilnehmen zu können, war einheitliche Kleidung die Voraussetzung. Was nun? Zwölf Bläser in „Grün”, das klappte nicht, 'ne schwarze Hose hatte jeder, und nachdem uns unser Bläserfreund–z.Z. gelernter Gärtner – klar gemacht hatte, daß es auch weißen Flieder gibt, hatten wir uns für „fliederfarbene Hemden” entschieden. Wir hatten ja Mut, und von unserem Können waren wir auch überzeugt, nur leider die anderen nicht. Als wir dann zum Vergleichsblasen in „Schwarzweiß” auftraten, haben die anderen Bläser zum ersten Mal mitleidig gelächelt, und als dann nach der Bewertung von dreizehn angetretenen Gruppen wir auf dem dreizehnten Platz gelandet waren, haben die anderen zum zweiten Mal mitleidig gelächelt. Wir aber nahmen alles gar nicht so tragisch, „dabei gewesen zu sein war alles”, und wir machten weiter. Hatten wir doch eines dabei gelernt, daß die Götter vor den Preis erst den Schweiß und den Fleiß gesetzt hatten.

 

 

Unsere jungen Förster wurden nach und nach versetzt, dann kam als Vorbläser und Übungsleiter Forstwart Ludwig Kahler. Der konnte sogar schon ein Ventilhorn blasen, was uns natürlich sehr beeindruckte. Mit ihm haben wir dann auf dem Burgberg in Frankenberg, gemeinsam mit der Bläsergruppe aus Rotenburg/F., eine Hubertusfeier veranstaltet. Als besonderes Bonbon wollte unser Ludwig auf dem Ventilhorn – solo – die Hegewaldfanfare blasen. Als es dann soweit war, flüsterte er ganz aufgeregt „helf mer doch ma, wie fängt dann das Ding an?” – Lampenfieber– auch das mußte erfahren und überwunden werden, gehört alles dazu!

 

 

 

Eines Tages kam das aus Funk und Fernsehen bekannte „Rosenau-Trio” nach Frankenberg in die Kulturhalle. Unsere Bläsergruppe wurde eingeladen, um die Veranstaltung mit Hörnerklang und Jagdmusik zu umrahmen. Mut hatten wir ja immer, aber ---- Plötzlich wurden wir im laufenden Programm aufgefordert, den „Hermann Löns Hochzeitsmarsch” zu blasen. Ob es den überhaupt gibt, ist bis heute noch nicht geklärt. Wir haben dann ganz einfach das Signal „Damhirsch tot” geblasen, hört sich doch auch ganz gut an. Das Publikum hat jedenfalls eifrigst applaudiert, für die war's nun mal der Hochzeitsmarsch. „Improvisieren ist alles”, wieder was dazu gelernt!

Videoclips Bläsergruppe 1969
 
1. Auftritt Untermarkt mit 6 Bläsern.
2. Auftritt im Rahmen einer Reiterjagd des Reitverein Frankenberg
 

 

Unser Ludwig Kahler mußte uns aus beruflichen Gründen auch wieder verlassen. Ein Neuer mußte her, aber woher nehmen? Da bekam ich einen Tip. In Röddenau gibt es einen Schulmeister, der hat schon mal einen Posaunenchor geleitet und Jagdhornblasen kann er auch. Das war Gerd Lohmann. Unter seiner Leitung entwickelte sich unsere Bläsergruppe zu dem was sie heute ist, zu einem Klangkörper, der sich überall hören und sehen lassen kann!

Dieser Bläsergruppe wünsche ich noch viele Jahre treuen Zusammenhalt, gute Jagdmusik zu machen, viel Freude am Werk und immer einen ehrlichen Gruppengeist zu bewahren.

Nach dem Lied:

 

 

 

K.-H. Heinrichs

 

Eurer

K.-H. Heinrichs

Was wir einst gelobt im Wald wollen's draußen ehrlich halten ewig bleiben treu die Alten bis das letzte Lied erschallt.

 

 

1992 wurde erstmals die Hubertusmesse in der Liebfrauenkirche in Frankenberg vorgetragen. Es war ein voller Erfolg. v.l.n.r.. Klaus Czeczatka, Hartmut Daume, Reinhold Daume, Hans Kurzweil, Erich Reitz, Karl-Heinz Henze, Lars Köppen, Friedhelm Mittler, Hans-Joachim Mohry, Annette Viessmann, Björn Köppen, Bernd Hömberg, Gerd Lohmann

 

Heute besteht die Bläserguppe aus 31 aktiven und 3 passiven Mitgliedern. Insgesamt haben in den vergangenen 30 Jahren 75 Bläserinnen und Bläser in der Gruppe mitgewirkt.

Erster Obmann der Gruppe war Karl-Heinz Heinrichs. Nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der Jägervereinigung im Dezember 1979 gab er dieses Amt ab.

Zweiter Obmann von 1980-1982 war unser musikalischer Leiter Gerd Lohmann. Die Doppelbelastung war zu groß, so daß ein Nachfolger gewählt wurde.

Dritter Obmann wurde Bernd Hömberg, der dieses Amt seit nunmehr 15 Jahren ausfüllt.

 

Bis 1991 wurde auf dem Fürst-Pless-Horn, dem Ventil-Horn und dem Parforce-Horn in „B” geblasen. Durch Vereinsankauf und private Anschaffung wuchs die Zahl der Parforce-Hörner auf 15 (heute 18) an, so daß ab 1991 auch in „Es” gestimmt geblasen wurde und entsprechende Stücke eingeübt wurden.

Schon im selben Jahr, wir sind ja mutig, wurden Teile aus der Hubertusmesse anlässlich eines Hubertusgottesdienstes in Battenberg vorgetragen. Zugleich wurde die schmerzliche Erfahrung gemacht, daß Orgelmusik, Chorgesang und das Umstellen auf „Es” gestimmte Hörner größte Schwierigkeiten im Finden des richtigen Anfangs­tones bereitet.

1992 wurde erstmals die Hubertusmesse in der Liebfrauenkirche in Frankenberg vorgetragen. Es war ein voller Erfolg.

Jeden Donnerstag ist Übungsabend.

Nach diversen Übungslokalen (u. a. in Schreufa, Gasthaus „Schultze” und Gasthaus „Zur Mühle”) trifft man sich heute wieder im Gasthaus „Zur Meiserburg”. Hier wurden bereits früher Übungsabende abgehalten. Aus dieser Zeit rührt auch, daß Bläser in der Meiserburg keine rohen Eier zum Verzehr erhalten.

Folgendes war geschehen: Nach dem Blasen kam man beim Abschiedstrunk an der Theke auf die Idee, rohe Eier zu schlürfen. Jürgen Redecker hatte hierauf jedoch wenig Appetit und verwahrte das rohe Ei in der Brusttasche seines Jägerhemdes. Mit einem kräftigen Schlag auf dieselbe, wollte Reiner Hardt die Drückebergerei bestrafen. Das Ei überstand die Attacke und flog nun als Wurfgeschoß in Richtung Reiner's Kopf. Kurz abgeduckt, schon landete das Hühnerprodukt hinter der Theke und zerlief als Rührei zwischen den Gläsern.

 

Zu besonderen Anlässen gehört eine einheitliche Kleidung. Zunächst schwarze Kniebundhose und Janker, dann in grüner Uniformjacke mit schwarzer Hose und heute im dunkelblauen Trachtenanzug, die Damen in passendem Rock mit Weste. Lange Diskussionen um die Farbe Dunkelblau ging der Anschaffung vor rund 10 Jahren voraus. Mehrheitlich wurde für diese gestimmt. Der erste Auftritt in diesem Anzug anlässlich des „Grünen Abends” 1987 in Battenfeld, kam einer kleinen Revolution gleich. Das dem Jägerauge doch so vertraute Grün war dem in der Natur eher selten anzutreffenden Dunkelblau gewichen. Die Kommentare reichten von begeisterten Komplimenten bis hin zur schroffen Ablehnung. Bei Bläsertreffen konnten wir nicht nur mit unseren Darbietungen, sondern auch mit unserem Äußeren Achtung und Anerkennung finden.

 

Musizierende Obmänner: v.l. Bernd Hömberg, Karl-Heinz Heinrichs, Gerd Lohmann

 

 

 

v. I. n. r. Björn Köppen, Klaus Schindler, Lars Köppen, Hans Kurzweil, Bernd Hömberg, Reinhold Daume, Erich Reitz, Hartmut Daume, Renate v. Wintzingerode, Karl-Heinz Heinrichs, Klaus Czeczatka, Gerd Lohmann, Karl-Heinz Henze, Manfred Müller, Hans-Joachim Mohry, Iris Lepa

 

 

Für die Jägerschaft sind Bläsergruppen ein wichtiges Instrument der Öffentlichkeitsarbeit. So erfolgten Auftritte bei Veranstaltungen der Jägervereinigung, Jagdgenossenschaften, Naturschutzverbänden, der Bundesgartenschau, beim Hessentag und Jagdausstellungen. Zahlreiche Veranstaltungen der Stadt Frankenberg und der umliegenden Gemeinden werden durch die Bläsergruppe mitgestaltet. Benachbarte Bläsergruppen werden unterstützt.

Foto: Hessentag 1989 in Frankenberg mit Forst- und Landwirtschaftsministerin Frau Irmgard Reichardt (Bildmitte).

 

Je nach Lust und Laune traten wir auch auf Dorf-und Schützenfesten auf. Besonders gefreut haben sich die Damen des Frauenchors Eifa, als wir sie bei einer Veranstaltung unterstützt haben.

Auch Hochzeiten wurden musikalisch umrahmt.

 

 

1982 Frankenberg Obermarkt, 15jähriges Jubiläum

 

 

Herbststadtfest 1987 in Frankenberg - Zubereitung und Verkauf von 1000 Portionen Wildgulasch.

 

Mit Hörnerklang wird die Kundschaft an die "Kirrung " gelockt.

 

Bläsertreffen 1991 in Bad Wildungen-Reinhardshausen

 

Bläser auf der Jagd
Hochzeit Wassermann, 1988 in Mohnhausen
Bläser in der Öffentlichkeit

 

 

v.l. G. Lohmann, unbekannt, H.-J. Mohry, R. Heinrich

 

Bis auf eine Ausnahme sind alle Bläserinnen und Bläser auch Jäger.

Nicht alle hatten Jagdgelegenheit. So war der Wunsch, gemeinsam zu Jagen, sehr groß. Der Mitbegründer unserer Bläsergruppe, Sigmar Salzmann, setzte sich bei seinem damaligen Forstamtsleiter, Herrn Homburg vom Forstamt Rotenburg, für die Frankenberger Bläsergruppe ein. Herr Homburg lud die Frankenberger Bläser zum dortigen Forstamtsschießstand und an-schließend zur Jagd ein. Es entstand auch ein enger Kontakt zu den Rotenburger Bläsern, der heute, durch den dortigen Generations- und Corpsleiterwechsel, leider abgebrochen ist.

 

Bläserjagd 1983, im Vordergrund Fritz Landau

 

In Frankenberg ergriff 1979 Fritz Landau, Förster in Wangershausen, die Initiative. Er sprach mit dem damaligen Forstamtsleiter, Herrn Michalik. Schon bald folgte die Einladung zur 1. Bläserjagd im Forstamt Frankenberg in der Revierförsterei Wangershausen.

Der erste Ansitz auf Rehwild und Fuchs war wenig erfolgreich, da man sich bescheiden geben und keine Fehler machen wollte. Auf der Strecke lag ein Fuchs. Dieses war jedoch nicht im Sinne des Forstamtes und somit konnte bei einer Wiederholungsjagd das Streckenergebnis mit fünf Rehen und einem Fuchs deutlich verbessert werden.

 

 

Die Bläserjagd wurde zur festen Einrichtung. Nach Herrn Michaliks Pensionierung übernahm 1984 Herr Erbe die Leitung des Forstamtes Fran kenberg. Er, selbst Parforcehornbläser, setzte die Tradition der Bläserjagd fort.

Aus der anfänglichen Ansitzjagd auf Rehwild und Fuchs hat sich eine forstamtsweite Bewegungsjagd auf alle hier vorkommenden Schalenwildarten entwickelt, an der auch Freunde der Bläsergruppe teilnehmen dürfen.

1993 wurden bei der Bläserjagd vier Stück Rotwild, 41 Sauen und sechs Stück Rehwild in zwei Treiben erlegt. Mit einem zünftigen Schüsseltreiben klingt die Bläserjagd in geselliger Runde aus.

 

Renate v. Wintzingerode sorgt für das leibliche Wohl, hinten links: Manfred Hecker

 

Mittagspause

 

 

 

Im Fackelschein wird die Strecke verblasen

 

 

Herr Erbe vor der Strecke

 

 

Schüsseltreiben 1996. K.-H. Heinrichs schlägt die Jungjäger Björn und Lars Köppen sowie Christoph Hömberg zum Jäger

 

Beim Fußballspielen wurde mangelnde Technik durch Kampfgeist und Körper-(gewichts-)einsatz ersetzt. Manch knopfloses Hemd und blaue Flecken zierten die Fußballtechniker.

„Runde” Geburtstage werden groß gefeiert. Als Traditionsgeschenk erhält jeder den Puma White Hunter mit Gravur.

Ein eigens für das Geburtstagskind gedichtetes Lied wird vorgetragen. Dazu spielen die „Heu- stadler” auch „Bläsergruppen Panikorchester” genannt.

 

 

Goßmannsdorf 1994

von links: K.-H. Heinrichs, H. Daume, M. Zeller, B. Hömberg, G. Lohmann, R. v. Wintzingerode, K. Czeczatka, A. Mohry (Kasierer), v.h.. M. Müller

 

Sommerfeste an der Louisendorfer Grillhütte waren immer ein Spaß für alle Bläser und ihre Angehörigen.

 

 

 

 

Abschluß von den Sommerferien 1990 in Hommershausen. von links: B. Hömberg, K Czeczatka, H. Daume, R.Mühlbauer, R. Daume, H.-J. Mohry

 

von links: B. Hömberg - Gitarre, K.-H. Heinrichs - Zitter-Mundharmonika und alles was Krach macht, R. Mühlbauer - Klarinette, G. Lohmann - Trompete, es fehlt: Erich Reitz - Akordeon
Bläser und Geselligkeit

 

 

Bläserfahrten

 

Zum 40. packt der Obmann das "Überraschungsgeschenk" aus.

 

Seit 1993 unternehmen wir gemeinsame Reisen. Die erste Fahrt ging in den Bayerischen Wald.

1995 führte uns unser Reiseorganisator und -leiter, Hartmut Daume, nach Eger in Ungarn.

1996 reisten wir nach Seekirchen bei Salzburg (Frankenbergs österreichische Partnerstadt). Hier wurden Kontakte zur dortigen Bläsergruppe geknüpft. Der Einladung zur Bläserjagd folgten die neuen Freunde komplett

 

 

Vor der Basilika in Eger. Für alle Teilnehmer war es ein unvergeßliches Erlebnis.

v. I. n. r. Gerd Lohmann, Peter Weigel, Martin Hecker, Bernd Hömberg, Jürgen Redecker, Erich Reitz, Lars Köppen, Karl -Heinz Heinrichs, Björn Köppen, Helmut Weigel, Klaus Czeczatka, Karl Born, Renate v. Wintzingerode, Hans-Joachim Mohry, Klaus Schindler (verdeckt), Manfred Müller, Hans Kurzweil, Friedhelm Mittler, Reinhold Daume, Hartmut Daume

 

HESSENJÄGER

Jagdhornbläser spielten Hubertusmesse in Ungarn

Bereits zweimal hatten die Parforcehorn-Bläser der Jägervereinigung in ihrer Heimat die Hubertusmesse in der Fassung von Reinhold Stief mit großem Anklang vorgetragen, bevor sie wenige Monate später im August dieses Jahres (1995) nach Eger (Ungarn) reisten, um dort ebenfalls die Messe zu spielen.

Dieses jagdkulturelle Ereignis in der von der ört­lichen Jägerschaft in Eger mit Fichtengrün und Jagdtrophäen ausgeschmückten Basilika weck­te in Ungarn großes Medieninteresse zumal dort zuletzt 1942 eine Hubertusmesse abgehalten wurde. Vom Rundfunk und dem regionalen Fernsehen wurde die Messe übertragen. Die Messe wurde vom Domherrn Dr. Scacko gehalten, der es sich nicht nehmen ließ, die deutschen Jäger in Ungarn auf deutsch zu begrüßen.

Höhepunkt der Messe waren die Parforcehorn­klänge der Frankenberger Jägerinnen und Jäger, die mehr als einen Hauch französischer Jagd­musik in die Basilika trugen. „Kyrie”, „Gloria”, „Choral”, „Sanctus” und „Agnus Die” waren unter anderem Stücke der Hubertusmesse in Gedenken an den Schutzpatron der Jäger. Besonders überzeugend gestaltete sich der volle, nachhallende Klang des Stückes „Glocken”, aus dem das Hin- und Herschwingen eines Glockengeläutes in blastechnischer Vollendung herauszuhören war.

Mit lang anhaltendem Applaus und Zugaberufen belohnten die rund 800 Besucher in der vollbesetzten Basilika von Eger die mit Können und großem Einfühlungsvermögen vorgetragene Hubertusmesse.

Die Gastspielpremiere von drei Parforcehornbläserinnen und 14 Parforcehornbläsern in Eger unter der bewährten Leitung von Gerd Loh-mann war für die Frankenberger Jäger ein voller Erfolg. Mit dieser Aufführung wollten die hessischen Jäger nicht nur ein Stück jagdliches Brauchtum aus Deutschland vermitteln, sondern mit ihrem Auftritt in Ungarn wollten sie auch einen Beitrag zur Völkerverständigung und zum Zusammenwachsen der beiden Völker leisten.

Insgesamt 20 Bläser waren auf größtenteils eigene Kosten mit Ehepartnern und Freunden nach Ungarn gereist. Mit einem Kostenzuschuß unterstützte das Land Hessen das Unternehmen. Auch die Stadt Frankenberg trug zum Gelingen bei, in dem sie Buchgeschenke für die Gastgeber zur Verfügung stellte. Mit Jagdeinladungen, der Teilnahme an einer ungarischen Bauernhochzeit, einer Gulaschparty und einer Pußtafahrt bedankten sich die ungarischen Waidgenossen für die von großer Aufmerksamkeit bedachten Hubertusmesse.

 

Nr. 11/1995

 

Bläserwettbewerbe

 

1969 Neukirchen/Knüll, Teilnahme in Gruppe C, Ergebnis: letzter Platz! Trostpreis: Notenheft "Die deutschen Jagdsignale".

1974 Burgruine Frauenberg, Kreis Marburg.Vergleichsblasen Nordhessischer Bläsergruppen. Ergebnis:1.Platz Gruppe C,716 Punkte

1975 Landeswettbewerb Jagdschloß Kranichstein, Darmstadt. Ergebnis: 666,5 Punkte, Gruppe C, Hornfesselspange in Bronze.

1977 Landeswettbewerb Jagdschloß Kranichstein, Darmstadt. Ergebnis: 754,5 Punkte, Gruppe B, Hornfesselspange in Silber.

1979 Landeswettbewerb Jagdschloß Kranichstein, Darmstadt. Ergebnis: 756,5 Punkte, Gruppe A, Hornfesselspange in Gold.

1981 Landeswettbewerb Jagdschloß Kranichstein, Darmstadt. Ergebnis: 761,5 Punkte, Gruppe A, Hornfesselspange in Gold.

 

 

Landeswettbewerb Kranichstein 1981

 

"Siegesfeier"

Ruine Frauenberg 1974

 

Jubiläen

10 Jahre – 11. September 1977

Freundschaftsblasen im Teichgelände mit neun Lichterfest mit Platzkonzert der Bläsergruppen. nordhessischen Bläsergruppen.

Vortrag Dr. Boucsein: „Zur Geschichte der Jagdmusik”

 

15 Jahre – 28./29. August 1982

Samstag: Jubiläumsball in der Kulturhalle Frankenberg

Sonntag: Sternblasen in der Stadt mit fünf Gästegruppen.

Hubertusmesse („Hoher Vogelsberg") in der Liebfrauenkirche.

Jagdkonzert Obermarkt/Rathaus.

Lichterfest mit Platzkonzert der Bläsergruppen

 

25 Jahre – 5. September 1992

Konzert vor dem Rathaus mit fünf Gastgruppen;

Moderation: Karl-Heinz Heinrichs („Vadda" in Hochform!)

Hubertusmesse in der Liebfrauenkirche.

„Grüner Abend” in der Ederberglandhalle

 

 

Übergabe der Erinnerungsgeschenke an Sigmar Salzmann (ehemaliger Corpsleiter der Frankenberger Bläser) durch unsere drei "Grazien" Almuth, Renate und Iris.

 

 

Die Grüße und Glückwünsche des Landesjagdverbandes Hessen überbrachte dessen Vizepräsident, der ehemalige Landrat des Kreises Frankenberg, Heinz-Friedrich Albert, der auch Mitglied in der Jägervereinigung Frankenberg ist. Er würdigte gleichzeitig das hohe Können der Bläsergruppe. Nacheinander errang sie im alle zwei Jahre im Jagdschloß Kranichstein bei Darmstadt stattfindenden Bläserwettbewerb zuerst die bronzene Hornfesselspange, dann die silberne und schließlich die goldene. Ihren Erfolg und ihre Disziplin verdanken die Bläser ihrem musikalischen Leiter, den sie seit 21 Jahren haben.

 

5. September 1992 - 25jähriges Jubiläum - Hubertusmesse in der Liebfrauenkirche

 

Hubertusmesse

Eine weitere Steigerung bot die Bläsergruppe der Jägervereinigung Frankenberg anschließend in der Liebfrauenkirche. Hier führte sie erstmals die traditionelle Hubertusmesse nach Reinhold Stief auf. 14 Parforcehörner schallten unter der Leitung Lohmanns durch das beinahe vollbesetzte Gottes-haus auf dem Burgberg. Der Chor war mit Bäumen und einem prämierten Hirschgeweih festlich geschmückt. Pfarrer Wittekindt hielt die Predigt.

 

Karl-Heinz Heinrichs stellte im Bläserlokal „Zur Meiserburg” seine neue Motorsäge vor. Auch der Wirt, Herr Dippel, zeigte größtes Interesse. Im Vorbeigehen mußte er immer wieder die abgestellte Säge anfassen und begutachten. „Wenn er noch einmal die Säge anfaßt, säge ich ein Stuhlbein ab”, sagte Karl-Heinz. Alle warteten darauf und es kam was kommen mußte, er faßte die Säge an. Karl-Heinz wurde beim Wort genommen, ein Stuhl auf den Tisch gelegt, die Säge angeworfen und ein Stuhlbein um 25 cm gekürzt. Da nun die Standfestigkeit des Sitzmöbels sehr eingeschränkt war, wurden auch die drei anderen Stuhlbeine passend gesägt. Herr Dippet behielt die Fassung und setzte sich auf den eingekürzten, aber noch als Melkschemel brauchbaren Thron. Als „König Dippel” trugen ihn die Bläser durch die Wirtsstube. Aus den Stuhlbeinstummeln drechselte Horst Eckel Kerzenständer, die wir unserem Bläserwirt später zur Erinnerung überreichten.

 

Zwei Anekdoten zum Schluß

 

Nach einem Auftritt anläßlich einer Wohltätigkeitsveranstaltung in Frankenberg wollte man noch eine Kleinigkeit essen. Beim Schützenfest in Röddenau sollte es noch eine Bratwurst geben. Als man dort ankam, war der Schreck angesichts geldgieriger Kassierer sehr groß. Eintrittskosten + Bratwurst = zu teures Menü. „Das haben wir gleich”, sagte Karl-Heinz Heinrichs. Er ging zur Kasse und sagte: „Es tut uns leid, daß wir uns verspätet haben, ein anderer Auftritt hat uns so lange aufgehalten: Jetzt sind wir aber da. Sagt der Kapelle, sie könnten eine Pause machen, wir marschieren dann ein.” Der etwas verduzte Kassierer folgte den Anweisungen und die Bläser zogen unter Beifall in das Festzelt ein. Schon während des dargebotenen, kurzen Ständchens wurde ein Tisch bereitgestellt, an dem die Gruppe anschließend das besonders preisgünstige „Schützenkönigs-Pilsener” genießen konnte.

 

Des Obmann´s Freud´

des Obmann´s Leid.

 

 

 

Es ist des Obmann's Freud und Leid

zum Blasen gehen jeder Zeit,

zu sitzen hier Stund' um Stunde,

zu schauen in die Bläserrunde.

Der Chorleiter gibt den Ton stet's an,

auch wenn's mancher gar nicht glauben kann.

Freude ist es zu erleben, wie alle sich ganz

schnell erheben, werden Jagdeinladungen verteilt.

Die Aktivität dann rasch erlischt,

wenn man von Arbeit verteilen spricht.

Man nach unten oder an die Decke sieht,

sich hinter Nachbars Rücken schiebt.

Es sind die Treuen — meist die selben Gesichter,

die erfreuen des Obmann's Lichter.

Ohne Wenn und Aber geht's zur Hand,

ihnen gilt mein ganz besonderer Dank.

Dank auch unserer Damenwelt,

die immer treu zur Stange hält.

Verlaß ist auch auf unsere Jugend,

sie hat so manche gute Tugend.

Ist pünktlich stets zum Blasen hier,

manch „Alter” trinkt zu Haus' sein Bier.

Es gibt die Wortgewalt'gen, die da tosen,

aber auch sensible, gleich den Mimosen.

Alle zusammen ergeben einen Brei,

der manchmal zäh und schwer ist wie das Blei.

Ihn erhitzt und neu angerührt,

man deutlich Leben hier verspürt.

Es wird erzählt und auch gelacht,

so manchen Kram es doch vergessen macht.

Das ist das schöne an der Runde,

und ich wünsche mir in dieser Stunde,

daß alle zieh'n an einem Strang,

und es uns erfreut ein Leben lang.

 

 

Bernd Hömberg,

Dezember 1996